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Der Wandel eines Entwicklers Teil 2 – Vom Team-Mitglied zum Teamleiter

Es ist gar nicht mal so lange her, dass ich einen Wandel in meinem Leben durchgemacht habe. Den Wandel vom Alleingänger zum Team-Mitglied. Vor ziemlich genau 2 Jahren habe ich folgenden Beitrag veröffentlicht, der eine Huldigung an mein damaliges Team war:

Vom Alleingänger zum Team-Mitglied… der Wandel eines Entwicklers.

An dem Team hat sich viel verändert inzwischen.
Einer meiner damaligen Kollegen ist inzwischen in Hamburg und hat eine neue Heimat in einer großen IT-Firma gefunden. Diese Position wurde nachbesetzt und zwar mit einem Menschen, der wie ein Deckel auf den Topf “Android App-Team bei AutoScout24” passt. Besser hätte es nicht laufen können.

Hinzu sind ein paar weitere Entwickler gekommen, von einer mit uns kollaborierenden Agentur. Entwickler die neuen frischen Wind in ein sehr gut funktionierendes Team gebracht haben. Neue Rangehensweisen, neue Ideen, neue Erfahrungen.

Die dritte große Veränderung zu damals, ist eine die mich persönlich betrifft.
Inzwischen bin ich Engineering Manager bei AutoScout24. Dieser Titel sagt nichts anderes aus, als “Teamleiter” mit ein paar zusätzlichen Aufgaben. Aufgaben, die ich zuvor schon übernommen habe, genauso wie die meisten Verantwortlichkeiten die ein Engineering Manager in seiner Verantwortlichkeit hat.

Wie es dazu gekommen ist, was mich angetrieben hat diese Richtung einzuschlagen, welche Veränderungen so etwas mit sich bringt und ob es sich lohnt möchte ich in diesem Beitrag auffassen und niederschreiben. Kleiner Teaser Vorweg: Es ist nichts für jemanden der seine Ruhe haben will 😉

Was hat mich dazu bewegt?

Im Zuge meines privaten Umzuges vor einigen Tagen, habe ich ein kleines Buch entdeckt dass ich während meiner Ausbildung gelesen und verinnerlicht habe. Ich hatte ganz vergessen dass ich dieses Buch jemals in den Händen hatte. Ich war sehr überrascht als ich realisiert habe, dass ich schon während meiner Informatik-Ausbildung Interesse am führen von Teams und Mitarbeitern gezeigt habe. So ein großes Interesse anscheinend, dass es sich wohl damals schon in mir manifestiert hat, dass ich dies sehr zielstrebig in den kommenden Jahren forciert habe.

“In spätestens 5 Jahren bin ich Teamleiter und werde den Weg für mein Team ebnen. Ob hier oder woanders, das ist mir egal!”. Ich kann mich noch genau daran erinnern wie ich diesen Satz ausgesprochen habe, als mich mein damaliger Teamlead gefragt hat wo ich mich in der Zukunft sehe. Das war die offizielle Festlegung meines beruflichen Zieles!

Menschen positiv beeinflussen. Mitarbeiter weiterentwickeln.
Hürden aus dem Weg schaffen, damit sich andere entfalten können.
Talente von Kollegen entdecken, sie hervorheben und anschließend zu Stärken machen.
Menschen zusammen bringen und eine Gemeinschaft schaffen die sich gegenseitig vertraut.
Was gibt es schöneres auf der Welt? Nicht viel 🙂

Mit diesem Ziel vor Augen, habe ich meinen Alltag bestritten. Jede Chance genutzt zum lernen und die neuen Wege zu entdecken. Was kann ich für mein späteres berufliches Ziel jetzt schon lernen, so dass ich bereit bin, wenn es soweit kommt.

Es war ziemlich einfach Teamlead zu werden …

… aber auch nur weil ich die vollste Unterstützung aus meinem Team genossen habe, vom aller ersten Moment an. Vertrauen, Offenheit, Kritik und langjähriges Kennen waren die Pfeiler auf denen das Ganze entstand. Auf genau diesen Pfeilern haben wir als Team das Ganze weitergeführt und dafür möchte ich jedem einzelnen Danken, der mir den Einstieg einfach gemacht hat und der mich seit der ersten Minute unterstützt hat. Ohne dieses Team und diese Leute, wäre es vermutlich um einiges schwieriger geworden Entscheidungen zu fällen, eine Richtung vor zu geben und auch mit vollem Vertrauen jede Entscheidung die wir gemeinsam getroffen haben, bis aufs Äußerste zu verteidigen.

Ich danke euch sehr, @Alexander Bach, @Johannes Koenen, @Rene Richter, @Jonas Schinagl, @Roland Rethegi.

Was sich verändert hat…

Mit dem Schritt in die Richtung Teamleitung und -führung hat sich sehr viel in meinem Leben geändert. Nicht nur beruflich, sondern auch privat. Eine neue Welt, die in meine private eindringt, da es eine grundlegende Einstellung ist, die man sich aneignet wenn man für andere Menschen verantwortlich ist – wenn man für diesen Job brennt wohlgemerkt. Man lernt es Bedürfnisse neu zu definieren – sowohl die eigenen, aber auch die der anderen. Denn ohne Bedürfnisse, kann man sich eben leicht in diesen Job verlieren und einen Weg einschlagen, der ungesund werden kann – für die Mitarbeiter aber primär auch für einen selber.

♦ Die Verantwortung und der Tagesablauf

Die vermutlich größte Änderung zu meiner Zeit davor betrifft den Ablauf meines Tages und den Aufgaben die meinen Tag diktiert haben. Man hat mehr Verantwortung, mehr Bereiche auf die man schauen muss. Mehr Stress, viel mehr Baustellen und höheren Druck. Weniger Zeit für Küchen-Chats, dafür aber verbringt man mehr Zeit in Meetings. Mehr Reports schreiben, dafür aber kaum noch Code. Generell würde ich sagen, man macht kaum noch Dinge, die vorher elementar waren, sondern man konzentriert sich darauf, den Entwicklern alles zu ermöglichen, damit sie die elementaren Dinge erledigen können.

Das alleine wäre gar nicht so tragisch, wenn man die Zeit am Stück hätte, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Reports anfertigen und präsentieren, Meetings organisieren und leiten, Einzelgespräche mit den Kollegen, Incidents lösen und Verantwortlichkeiten klären, Interviews führen mit Kandidaten, Prozesse optimieren, Streitigkeiten schlichten und Teamzusammenhalt stärken, Meetups organisieren und Teamevents, und so weiter und sofort. Und damit das auch nicht all zu einfach wird, muss man die Arbeit an einem dieser Themen nicht selten unterbrechen, weil man an einem der anderen weiter arbeiten muss. Es fühlt sich an, als dürfte man kaum noch Fokus auf eine einzelne Sache haben, sondern am besten alles im selben Moment machen.

Dieser Verlust des Fokus, ist sehr anstrengend und sollte jedem bewusst sein, der diesen Schritt in das untere/mittlere Management wagt. Der Tag wird teilweise diktiert. Einflussmöglichkeiten sind zwar vorhanden, aber machen den kleinsten Teil des Tagesablaufes aus – Zumindest in einer großen Firma wie AutoScout24. Meine Aussage hier ist nicht, dass Meetings meinen Tag übernommen haben, sondern die Summe der Aufgaben eines Engineering Managers, ist enorm. Hiring Manager, Incident Manager, Fachlich Führung, Disziplinarische Führung, und und und… Dieser Schritt sollte aus diesem Gesichtspunkt gut durchdacht sein.

♦ Das Zwischenmenschliche

Neben all den anstrengenden Themen die meinen Alltag so begleiten, gibt es aber auch sehr viele schöne neue Aufgaben, die nicht nur Blickwinkel verändern.

Angefangen bei den Einzelgesprächen bei denen man Menschen und Kollegen ganz anders kennenlernt als sonst. Offener, privater, zerbrechlicher, zielstrebiger, emotionaler, ernster. Und Sie lernen mich auch anders kennen. Wichtiger aber als die ersten beiden Punkte, ist der dritte: Ich lerne mich selber besser kennen in diesen 1-on-1’s. Jedes einzelne persönliche Gespräch, an einem sicheren Ort wo die Aufmerksamkeit nur einer Person gewidmet ist, bringt mir viele neue Erkenntnisse, Emotionen und Erfahrungen. Es hat mich wachsen lassen im zwischenmenschlichen und empathischen Bereich.

Neben den Einzelgesprächen mit den festen Teammitgliedern, führe ich auch Gespräche mit kurzen Gästen, wie zum Beispiel Freelancern oder Entwickler anderer Abteilungen, die sich die Android Entwicklung aneignen möchten. Vor allem in diesen Gesprächen habe ich gemerkt, wie unterschiedlich jedes einzelne menschliche Wesen auf diesem Planeten ist. Dieser extrem , hoch-interessante, aber auch teilweise unglaubliche Unterschied der Persönlichkeiten, ist etwas was ich schwer in Worte fassen kann und den Blickwinkel den ich dadurch darauf gewonnen habe, ebenfalls nicht. Es gibt wirklich (und in diesem Satz steckt 100% Wahrheit drin) nichts spannenderes als neue und einzigartige Persönlichkeiten zu entdecken und mit ihnen arbeiten zu lernen. Nichts spannenderes als der Mensch an sich.

Der eine ist direkt, hektisch und kritisch.
Der nächste ist ruhig, bedacht und zurückhaltend wenn es um Kritik geht.
Der nächste wiederum nimmt kein Blatt vor dem Mund und sagt mir knallhart und ungefiltert was ihn nervt und was er an mir nicht mag.
Der nächste hat eine wirre Kombinationen der weiter oben erwähnten Eigenschaften.

Es ist einfach nur toll und ich liebe es mit Menschen zu arbeiten – auch wenn sie mich nachmal zur Weißglut bringen 🙂

♦ Der neu gewonnene und ungewollte Abstand.

Leider ist es aber auch so, dass man sich sowohl bewusst als auch unbewusst, vom “Team” distanziert. Diesen Abstand braucht man nicht nur, er kommt ganz von alleine.
Eine Zeit lang ist der Abstand riesig, dann wieder sehr klein, dann wieder riesengroß und danach wieder genau so wie früher. Kommt ganz auf die Situation des aktuellen Tuns an.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Unter anderem, weil man verantwortlich für die Ergebnisse des Teams ist, für die Krisenbewältigung, die Richtung in die sich das Team bewegt und für die Erfüllung der gesteckten Ziele, muss man auch manchmal etwas härter sein, als man es vorher war. Dennoch darf man zu keinem Zeitpunkt die Autonomie und Autarkie des Teams untergraben und ignorieren. Um dies aber zu realisieren – von einem Teammitglied zu einem Teamleiter werden im selben Team – braucht es Unterstützung, Selbstvertrauen, Fokus auf das Business und ein Ego das man nicht einmal aus seiner Hosentasche rausholt, sondern es genau da lässt, für immer!

Wenn ich mir meinen Post vom Jahr 2014 anschaue (Link), muss ich mir leider eingestehen, dass mein Schritt zum Teamleiter auch ein Schritt zurück ist – betrachtet man es aus der  Team-Perspektive und die Zeit die man mit seinen langjährigen Kollegen verbringt. Ich verbringe mehr Zeit alleine, oder mit anderen Personen innerhalb der Firma, als mit meinen Jungs, was mich jedes man ein bisschen traurig macht, wenn ich darüber nachdenke.

Hat es sich gelohnt? (Fazit)

Die Entscheidung diesen Weg einzuschlagen, gehört zu den besten meines Lebens!
Ich habe einen Schritt in eine Welt gewagt, in der sich meine Persönlichkeit komplett entfalten kann. Ich kann intuitiv agieren und merke im Nachhinein dass es eine gute Wahl war. Nicht immer, aber meistens.

Und genau dies – dass intuitives Verhalten oft ausreicht – macht mich in jeder Entscheidung die ich treffen muss, stark, selbstsicher und raubt mir jegliche Angst. So sehr, dass ich nach meinem ersten Jahr als Engineering Manager behaupten konnte, dass ich mich nach der kurzen Zeit schon sicherer fühle als zu jedem Zeitpunkt zuvor in dem ich als Entwickler tätig war.

Im selben Atemzug behaupte ich aber auch, dass es mich mit jedem Tag der ins Land streicht auch ein bisschen traurig(er) macht. Die Zeit als Teammitglied eines Teams hat zu den schönsten Zeit überhaupt gehört. Kaum Druck, kaum Ablenkungen, gemeinsames Eifern und reger Meinungsaustausch waren mein Alltag. Inzwischen ist es das Engineering Manager Team das diese Rolle einnimmt bei Scout – die allerdings nie den gleichen Ausmaße erreichen wird.

Mit dem Schritt zum Teamleiter habe ich (je nach Blickwinel), einen Schritt zurück gemacht respektive einen nach vorne. Ich bin nun (Im Arbeitskontext) einsamer als zuvor, verfolge aber die beruflichen Ziele die meiner Persönlichkeit mehr entsprechen. Wie das in einigen Jahren aussehen wird, weiss ich nicht, aber ich werde immer mit sehr viel Liebe und Herzblut an die Zeit als Entwickler des AutoScout24 Android Teams zurück denken und in positiven Erinnerungen schwelgen. und wer weiss… vielleicht mache ich irgendwann den Schritt zurück zum Entwickler.

Die Zukunft kann, und DARF alles bringen 🙂

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